SLYRS 18 Jahre trifft auf „CHANGES“ LIVE in Birmingham

Was hat dieser legendäre Song von Black Sabbath aus dem Jahr 1972 mit einem 18-jährigen Single Malt aus Deutschland gemeinsam?
Sorry – aus Bayern natürlich. Aber das ändert nichts am Fragezeichen! 😉

Wenn man sich die Bedeutung und damit den Text des Songs anschaut: tatsächlich erst einmal gar nichts.
„Changes“ handelt von Verlust. Der damalige Black-Sabbath-Drummer Bill Ward trennte sich von seiner ersten Frau, und so entstand ein melancholischer Song über Abschied, Kummer und das Bereuen vergangener Taten. Entsprechend wurde er auch aufgenommen: sehr geradlinig, wenig Hoffnung, wenig Freude – und dennoch wunderschön, mit dieser tieftraurigen Note, die auch heute, 53 Jahre später, noch den Zeitnerv trifft und dieselbe leicht depressive Schönheit in sich trägt.

Bis auf eine klitzekleine, weit hergeholte Ausnahme können wir den Text also abhaken: Verlust erlebt man heutzutage definitiv auch beim Genuss eines 18-jährigen Single Malts. Nicht aromatisch – aber ich befürchte, der Kontostand könnte durchaus Verlusterscheinungen und Kummer erleiden … 😉

Warum also habe ich diesen Song für einen so eleganten, ja geradezu edlen Whisky ausgewählt?
Es liegt an der neuen Interpretation dieses Klassikers durch den großartigen britischen Künstler Yungblud.

Er performte den Song beim Abschiedskonzert von Black Sabbath am 5. Juli 2025 in Birmingham – vor 40.000 Menschen und rund 6 Millionen Zuschauern im Livestream – mit einer im Heavy-Metal-Segment absolut herausragenden Besetzung:
Nuno Bettencourt (Extreme) an der Gitarre, Frank Bello (Anthrax) am Bass, Adam Wakeman (Black Sabbath/Ozzy) am Piano und II (Sleep Token) am Schlagzeug.

Auch wenn ich selbst kein Metalhead bin: Dieses Line-up, ja dieses gesamte Konzert, war schlicht atemberaubend. Mit Black Sabbath gingen absolute Musikgiganten in Rente – verabschiedet von Giganten der alten und neuen Heavy-Metal-Generation und Millionen Menschen weltweit. Einer der absoluten Höhepunkte, musikalisch wie emotional, war genau dieser Song.

Die Band spielt sich beinahe in Ekstase, und das Publikum – mit einem realistischen Durchschnittsalter deutlich über 40 – singt lautstark mit. Und hier zeigt sich bereits die erste Parallele …
Aber beginnen wir von vorne und vereinen den Slyrs Bavarian Single Malt 18 Jahre mit Yungbluds LIVE-Interpretation von „Changes“.

Der Genuss eines solchen Whiskys beginnt bereits mit dem Öffnen der Flasche: die Haptik, die Eleganz, das leise Öffnen – und die Vorfreude beim Einschenken dieses besonderen Tropfens.

Der Song beginnt mit einem Intro von Adam Wakeman am Flügel. Er spielt ein Wechselspiel aus Be- und Entschleunigung, das die pure Schönheit des Songs widerspiegelt. Die Beschleunigung weckt Vorfreude, das Verlangsamen lässt einen Hauch Melancholie mitschwingen.

Der Whisky ist eingeschenkt. Dunkles Gold, fast Bernstein, glitzert anmutig im Glas und zeigt allein durch seine Farbe Reife und Tiefe. Erste Aromen erreichen die Nase noch bevor das Glas sie berührt: Karamell und Honig. Je näher man kommt, desto mehr entfalten sich getrocknete Früchte, dann würzige Noten von Muskat und Tonkabohne, süße Zitrusfrüchte und zarte Eiche. Je länger man verweilt, desto mehr entdeckt man – und die Spannung, endlich zu probieren, wächst.

Nach dem Intro setzt Yungblud mit ruhiger Stimme ein. Die Melancholie ist deutlich spürbar, doch seine sanfte, zugleich entschlossene Art lässt bereits erahnen, dass etwas Wunderschönes folgen wird. Erste Stimmen im Publikum singen mit. Ein Trommelwirbel auf den Becken, gesampelte Streicher steigen ein – der Song gewinnt an Kraft und Gestalt. Die Stimme wird energischer, eine rezitierende Gitarre von Nuno Bettencourt (im Original ist keine Gitarre vorhanden) setzt ein. Der Druck wächst, Sehnsucht entsteht, Vorfreude auf mehr.

Dann der erste, kleine „Testschluck“. Man will wissen, wie der Whisky reagiert, ob Wasser nötig ist. Der wirklich kleine Schluck füllt sofort den gesamten Mund – überraschend intensiv und zugleich unglaublich angenehm. Eine ausgeprägte Süße von Karamell, türkischem Honig und Trockenfrüchten trifft auf Orangenfilets, Kardamom, Muskat und die verspielte Note von Tonkabohne. Eine beeindruckende Aromenexplosion, deren wahre Fülle man erst nach einem Moment vollständig erfasst und dann schon direkt neue Aromen hinzukommen. Der Alkohol ist perfekt eingebunden – eine unglaubliche Symbiose.

Nuno Bettencourt zieht das Plektrum über die Saiten, Yungblud stimmt ein ausgedehntes „Oh, oh, oh“ an, die Drums leiten die Explosion ein. Der Refrain trifft mit Wucht: Gitarre, Kraft, Schönheit. Das Publikum braucht einen kurzen Gänsehautmoment, um zu realisieren: Das ist der Refrain. Dann setzen alle ein. 40.000 Stimmen im Chor – ein magischer Moment voller Energie und Schönheit.

Der erste Schluck gleitet ölig den Gaumen hinab. Kurz kehrt Ruhe auf der Zunge ein, während die Aromen weiterarbeiten. Erst jetzt merkt man, wie viel noch passiert. Der Abgang setzt ein – und animiert sofort zum zweiten Schluck. Dieses Mal nimmt man die Nase noch intensiver wahr, und die Geschmacksexplosion ist erneut da, nun weniger überraschend, dafür umso genussvoller. Der erste Schluck hat perfekt vorbereitet – man schwelgt in Gedanken über diesen unglaublich aromenreichen Whisky, der sich sanft über die Zunge legt und pure Freude bereitet.

„Make some fuxxing noise!“ schreit Yungblud – doch die Band wird gefühlt zunächst ruhiger. Ein Gitarrensolo beginnt. Elegant, beinahe übersehbar, weil die Energie des Refrains noch in der Luft hängt. Nuno Bettencourt steigert sich, geht in die Höhe, Yungblud steigt wieder ein – und gemeinsam stürzen sie sich erneut in den Refrain. Diesmal ist das Publikum bereit und sofort dabei. Es ist beinahe ekstatisch.

Ein Teil des zweiten Schlucks läuft sanft die Kehle hinab, während ein Rest auf der Zunge verweilt. Die alkoholische Intensität ist zurückgetreten, die aromatische keineswegs. Im Finish entfaltet sich eine vielschichtige Kombination aus Süße, Frucht und Würze – ein wunderschönes, langes Wechselspiel. Ein Abgang, den man nicht enden lassen möchte.

Noch einmal kehrt der Song in eine ruhige Strophe zurück, voller Spannung und Schönheit. Man verarbeitet das Erlebte und weiß aber auch: Da kommt noch etwas. Und wieder ist es das Plektrum von Nuno Bettencourt, dass das letzte Aufbäumen einleitet. Ein finaler, kraftvoller Refrain. Der letzte Akkord steht, die Toms von II beenden den Song – doch Yungblud kann nicht loslassen. Er stimmt den Refrain a cappella an.
40.000 Menschen singen lautstark mit. Und ich bin mir sicher: Vor den Bildschirmen dieser Welt waren es noch weit mehr.
Der Song – und der Moment – hallen noch lange nach.

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