Whisky & Musik – meine musikalischen Tasting Notes

Keine Sorge, ich starte jetzt keinen neuen Podcast und auch Golf bleibt weiterhin ein fester Bestandteil meines Lebens. Es geht eher darum, meine Whisky Welt um etwas zu erweitern, das mich schon viel länger begleitet. Die Musik. Eine alte, eigentlich sehr alte Leidenschaft, die ich nun wieder ein Stück zurück in mein Leben hole und daraus entsteht auch diese neue Serie: Whisky und Musik.

Wie ich schon in meinem Intro erzählt habe, spielte Musik in meiner Jugend eine grosse Rolle. Ich war Trompeter, erst in der symphonischen Blasmusik, dann im Sinfonieorchester und später in Big Bands und Funk Rock Bands. Wenn ich heute das Wort Jugend lese, merke ich gleich, wie viel Zeit seitdem vergangen ist. Aber es ist nun einmal so, dass ich vor 31 Jahren im Sydney Opera House gespielt habe, vor 28 Jahren auf Jazz Festivals in Bangkok und Singapur und vor 22 Jahren als Vorgruppe von Kool and the Gang. Das alles war Teil einer Zeit, in der ich tatsächlich Ambitionen hatte, Musik zu meinem Beruf zu machen. Es scheiterte damals absolut nicht am Talent, denn das war durchaus vorhanden, sondern an etwas anderem: der Ausdauer und dem eisernen Willen. Tim Notke sagte einmal: Hard work beats talent if talent doesnt work hard. Tja, das war dann mal ich.

Mein Umfeld zeigte mir sehr deutlich, wie es gehen kann, allen voran mein Bruder Eckhard. Er übte täglich unzählige Stunden, arbeitete unermüdlich an sich und ist heute ein grandioser und überaus gefragter Drummer sowie Hauptfach Dozent an der Musikhochschule Stuttgart. Ich hatte zu dieser Zeit zu viel anderes im Kopf und irgendwann einen Moment der Klarheit, der mich in Richtung Gastronomie führte. Eine sehr weise Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue.

Trotzdem fehlte mir die Musik. Die Trompete legte ich irgendwann nach und nach beiseite, weil die Zeit fehlte und ich einfach auch immer schlechter wurde, je seltener ich spielte. Also holte ich mir die Musik auf eine andere Weise zurück. Über Konzertreihen, die ich in den Bars organisierte, in denen ich Bar Manager war. „Wednesdays Jazz Night“ und „Capella Jazz Moments“ waren zwei Formate, die mir sehr am Herzen lagen. Musiker wie Randy Brecker, Toots Thielemans oder Ack van Rooyen standen dort auf der „kleinen Bühne“, schlicht in einer Hotel Bar, und es erfüllte mich mit Stolz, solche Künstler einzuladen und gleichzeitig aus nächster Nähe erleben zu dürfen. Ich war somit mittendrin, ohne selbst mitzuspielen.

Als ich später die Bar verliess und in die Spirituosenwelt wechselte, rückte die Musik wieder etwas in den Hintergrund. Bis Corona kam. Online Tastings wurden plötzlich zum Alltag und mir wurde das persönlich schnell zu eintönig. Also entstand die Idee, Whisky und Musik zu verbindend ein neues Konzept war geboren.

Das erste Online Tasting war ein gemeinsames Projekt mit dem Dirk Blümlein Terzett, einer grossartigen Band, in der mein Bruder am Schlagzeug sitzt. Bass, Saxophon und Schlagzeug, eine ungewöhnliche Besetzung, aber sehr spannend und voller Melodie und Humor. Ich beschrieb der Band die Charakterzüge der Whiskys und sie suchten passende Stücke aus ihrem Repertoire heraus. Da sie sich zu dritt problemlos treffen konnten, nahmen sie die Musik mit kurzen Videos im Proberaum auf. Die Teilnehmer bekamen ihre Tasting Sets nach Hause geschickt und sassen dann gemütlich vor dem Bildschirm, während ich die Whiskys vorstellte. Danach erklärte die Band ihre Gedanken zu deren Song und wir spielten das passende Musikvideo ein damit die Teilnehmer die Kombination erleben und genießen können. Während dieser Lockdown Zeit habe ich mehr als tausend Menschen auf diese Weise mitgenommen und viele sprechen heute noch davon. Wie gern hätte ich das einmal live in einer Bar oder einem Saal umgesetzt, doch ein solches Projekt ist finanziell leider mittlerweile kaum darstellbar…..

Und genau hier knüpft diese neue Serie an. Ich möchte euch Wege zeigen, Whisky einmal anders zu erleben. Jeder kennt den Moment, in dem ein bestimmtes Musikstück einfach perfekt in einen Moment passt. Musik ist Emotion. Whisky kann das ebenfalls sein, wenn man sich auf Aromen, Stimmung und Gefühl einlässt. Also warum nicht beides verbinden. Kopf aus, Sinne an, und einfach geniessen.

Aber am Ende muss man eines Beachten: es bleibt alles Geschmackssache. Und darüber streitet man bekanntlich nicht.